Das eine mögen, das andere lieben – 9 spannende Alternativen abseits vom Massentourismus in Großbritannien

Großbritannien ist ein Reiseziel mit einigen der besten – und damit auch sehr gut besuchten – Sehenswürdigkeiten. Touristen strömen zum Steinkreis von Stonehenge, in die Stadt Bath mit Ursprüngen in der Römerzeit, zur gotischen Kathedrale von Canterbury und in die aufregende Hauptstadt London.

Aber müssen sich die Besucher wirklich den Massen anschließen? Es lohnt sich, nicht die üblichen Reiseziele auszuwählen und die Vielzahl weniger offensichtlicher Alternativen wahrzunehmen, die genauso verlockend sind.

London mögen, Liverpool lieben

Kunst, Kultur, kulinarische Köstlichkeiten – London hat einfach alles, und natürlich auch die entsprechenden Menschenmassen. Liverpool hingegen wird von Besuchern aus anderen Ländern häufig übersehen, obwohl die Stadt zu den attraktivsten britischen Städten gehört.

Da wären zunächst die Beatles, die Band, die hier 1960 „geboren“ wurde, als vier Jungs sich zusammentaten, um Musik zu machen. Eine Magical Mystery Tour mit dem Bus führt an den Häusern vorbei, in denen Paul, John, Ringo und George ihre Kindheit verbrachten, zeigt die Penny Lane und führt an dem Haus Strawberry Field vorbei.

Anschließend ist ein Konzertbesuch im Cavern Club im pulsierenden Herzen der Livemusikszene der Stadt genau richtig. Noch mehr Kultur gibt es in der Tate, die direkt am Wasser auf dem Gelände der historischen Royal Albert Docks liegt und zum Nachdenken anregende Ausstellungen zeigt. Außerdem ist Liverpool eine der besten Shopping-Adressen in England und hat eine ziemlich erfolgreiche Fußballmannschaft.

Den Lake District mögen, den Northumberland National Park lieben

Hadrian's Wall, Northumberland

Der Lake District ist für seine spektakulären Landschaften, riesigen Seen und die Verbindung zu den englischen Schriftstellern William Wordsworth und Beatrix Potter berühmt. Diese Beliebtheit kann jedoch in Spitzenzeiten dazu führen, dass alles überfüllt ist.

Im Gegensatz dazu zählt der Northumberland National Park zu den englischen Nationalparks mit den geringsten Besucherzahlen. Seine steil abfallenden Anhöhen und kristallklaren Flüsse werden häufiger von roten Eichhörnchen und im Wasser watenden Vögeln in ihrer Ruhe gestört als von menschlichen Füßen. Der römische Hadrianswall verläuft ebenfalls durch den Park, und man kann sich auf einer Vielzahl von Wander- und Fahrradwegen sportlich betätigen. Und der dunkle Himmel über dieser abgelegenen Region ist einer der besten Orte Englands, um Sterne zu beobachten.

 

Cornwall mögen, die Küste von Norfolk lieben

Die wilde Schönheit der Küstenlandschaft von Cornwall mit ihren zwischen Felsklippen versteckten Buchten und goldenen Sandstränden, die von türkisfarbenen Wellen umspült werden, zieht sehr viele Besucher an. So wimmelt dort häufig von Urlaubern.

Die Küste von Norfolk ist hingegen nach wie vor ein Geheimtipp, und die endlosen Sandstrände sind nur an sehr heißen Sommertagen gut besucht. Die Küste ist knapp 145 Kilometer lang und verbindet das trubelige Treiben am Badestrand von Great Yarmouth und am Pier von Cromer (mit der letzten ‚End of the Pier’ Show in Europa) mit der Abgeschiedenheit von Stränden wie Holkham und Brancaster. Die hiesige Küste ist insbesondere im nördlichen Teil ein hervorragender Ort für die Vogelbeobachtung. Dort, an der North Norfolk Coast, schützt die Bezeichnung als Gebiet von außerordentlicher natürlicher Schönheit die uralten Dünen und das unberührte Strandgras.

Snowdonia mögen, den Peak District National Park lieben

Wanderer kommen in Scharen nach Snowdonia – zusammen mit all jenen, die gerne die Spitze des höchsten Bergs von Wales mithilfe der Snowdon Mountain Railway erklimmen möchten. Auf den Wegen kann es voll werden – und eine schöne Alternative ist der Peak District National Park als erster Nationalpark in Großbritannien.

Dort können Reisende kilometerlange Wanderstrecken und Fahrradwege nutzen, die zum Teil an stillgelegten Bahnstrecken entlangführen. Freunde des Reitsports kommen bei den speziell ausgewiesenen Reitwegen ebenfalls auf ihre Kosten. Der 27 Kilometer lange High Peak Trail darf nicht befahren werden und führt durch typisch englische Landschaften mit farbenfrohen Wildblumen, Schmetterlingen und Vogelgezwitscher, während der 8,9 Kilometer lange Jane Eyre Hathersage Trail durch atemberaubende Moorlandschaften zu Schauplätzen aus Charlotte Brontës berühmten Roman führt.

Edinburgh mögen, York lieben

Es gibt nur wenige Städte auf der Welt, die ähnlich spektakulär liegen wie Edinburgh. Die Burg ragt auf Vulkangestein über der Stadt auf, und die Straßen bahnen sich ihren Weg durch die Old Town, in der sich seit dem Mittelalter wenig verändert hat. Allerdings ist Edinburgh kein Geheimtipp mehr und das ganze Jahr über gut besucht.

York hat sich ebenfalls einen mittelalterlichen Stadtkern bewahrt, der von Mauern aus der Römerzeit umgeben ist, die im 1. Jahrhundert n. Chr. entstanden sind. Besucher können auf diesem Wall die Stadt umrunden und das imposante York Minster von allen Seiten betrachten, bevor sie sich nach unten in die gotische Kathedrale begeben und das prachtvolle Kirchenschiff und die mittelalterlichen Buntglasfenster aus der Nähe betrachten.

York wurde einst von den Wikingern erobert, mit deren Leben und Kultur sich die Besucher im Jorvik Viking Centre befassen können. Aber York hat nicht nur Historisches zu bieten. Gegenwärtig zählt die Stadt zu den beliebtesten Wohnorten in England , was sicherlich zu einem Teil an den florierenden Einzelhandelsgeschäften der Stadt und dem pulsierenden Leben in den Cafés und Bars liegt.

Canterbury mögen, Lincoln lieben

Die Kathedrale von Canterbury zählt zu den populärsten Gebäuden in England. Viele tausend Besucher besichtigen dieses großartige gotische Bauwerk – Sitz des Erzbischofs von Canterbury, der gleichzeitig Ehrenoberhaupt der der anglikanischen Weltkirche ist.

Die Kathedrale von Lincoln ist lange nicht so bekannt, aber sie ist nach St. Paul’s Cathedral und dem York Minster die größte Kathedrale in Großbritannien und war einst das höchste Gebäude der Welt (bis die Kirchturmspitze im Jahr 1549 einstürzte). Besucher können dieses Meisterwerk der gotischen Baukunst besichtigen und vom Dach der Kathedrale aus herrliche Rundblicke über die Landschaft von Lincolnshire genießen.

In Lincoln gibt es außerdem eine Burg aus der Zeit, in der die Normannen England besiedelten. Dort wird eine von nur vier Exemplaren der Magna Charta aufbewahrt, und in der Usher Gallery hängen Werke der englischen Maler Turner und Lowry.

Bath mögen, Harrogate lieben

harrogate-

Bath war nicht die einzige Stadt, die während der georgianischen Epoche als Kurort in Mode war. Heute ist Bath jedoch das beliebteste Ziel bei einem Großteil der Reisenden, die sich für prachtvolle Architektur interessieren und die Heilkräfte des Wassers nutzen wollen – und oftmals recht überfüllt.

Harrogate bleibt hingegen unbeachtet. Die dortigen wundervollen Bäder aus viktorianischer Zeit wurden renoviert und als türkische Bäder mit eleganten Bögen im maurischen Stil und glasiertem Mauerwerk zu neuem Leben erweckt. Dort kann man bei einer ganzen Reihe entspannender Wellnessbehandlungen die Seele baumeln lassen. Für Kunstinteressierte lohnt sich ein Besuch der Mercer Art Gallery in dem 200 Jahre alten Kurgebäude, den Harrogate Promenade Rooms. Im Anschluss kann man sich in Bettys Tearoom stärken, der 2019 seinen 100. Geburtstag feiert und mit erlesenen Teesorten und Gebäck in eleganter Umgebung seine gastfreundliche Tradition pflegt.

Glasgow mögen, Leeds lieben

Es gibt wenige Orte, die mit de Auswahl an Livemusik in Glasgow konkurrieren können, und das pulsierende Nachtleben der schottischen Stadt ist weithin bekannt. Leeds ist weniger bekannt, obwohl der Stadt mit der „Purple Flag“ ein unterhaltsames, abwechslungsreiches und gleichzeitig sicheres Nachtleben bestätigt wurde.

 

In Leeds bringen Konzerte mit bekannten Künstlern Musikfreunde ins Arena Quarter, die Cocktailbars am Millennium Square mixen fantasievolle Drinks, und traditionelle Pubs säumen die kopfsteingepflasterten Straßen von Briggate. Am lebhaftesten geht es jedoch vermutlich in der Call Lane zu, wo in den Lokalen alle Musikgenres vertreten sind, Bands live auftreten und DJs auflegen.

Außerdem gibt es in Leeds eine Reihe von Theatern, unter anderem das Leeds Grand Theatre – Spielstätte des bedeutenden englischen Opernensembles Opera North – und Heimat des Northern Ballet, einem Wanderensemble, das klassisches Ballett aufführt und Geschichten durch Tanz erzählt.

Salisbury mögen, Chester lieben

Salisbury hat einen der attraktivsten historischen Stadtkerne in England. Der schön begrünte Innenhof der Kathedrale ist von wunderschönen Gebäuden umsäumt und führt zu der weltberühmten Kirche mit der höchsten Kirchturmspitze des Landes.

Chester ist eher ein Geheimtipp, aber vielleicht sogar noch schöner. Hier können die Besucher auf über 3 Kilometern die Stadtmauern aus dem Mittelalter und der Römerzeit entlangspazieren, die vollständiger erhalten sind als anderswo in Großbritannien und die Ruhe im Garten der Kathedrale von Chester genießen. Das schöne Kirchengebäude aus rotem Sandstein entstand in der Zeit der normannischen Besiedlung Englands. Besonders faszinierend ist jedoch der Anblick der Rows, einer Reihe von Geschäften in Fachwerkhäusern, deren Architektur den Tudorstil mit dem Baustil der viktorianischen Zeit mischt. Gegenwärtig zählen diese Läden zu den schönsten Einkaufszielen in England.